Wenninger GeoMuseum für Vermessungstechnik und Geoinformation
Wenninger GeoMuseum          für Vermessungstechnik und Geoinformation

Persönlichkeiten der Vermessung und Geoinformatik

7. geodätische Firmen und Erfinder

Unser Museum möchte dabei helfen diese Erfinder und Freigeister der mathematischen Ingenieurkunst nicht zu vergessen und an den berühmten Satz erinnern

 

"nur wer das Alte versteht, kann Neues entwickeln".

 

Nur wenige Industriezweige sind so reich an universellem Erfindungsreichtum, wie die Geoinformatik und Vermessung. Nirgendwo bündelt sich das interdisziplinäre Wissen so wie in deser Branche. Physik, Mathmatik, Feinmechanik, Wärmelehre, Optik und in der neueren Zeit auch IT Elektronik und Telematik. Wenn man hinter die Kulissen der Entwickler schaut ist man tief beeindruckt über den Erfindergeist und das Wissen über interdisziplinäre Zusammenhänge dieser ausergewöhnlichen Ingenieure. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein lag der Schwerpunkt des Gerätebaues in Frankreich und England. Die Hauptstädt waren das Zentrum des Handels, der Entwicklung und der Wissenschaft.  Ab Mitte des 18. Jahrhunderts gewann durch die Firmengründung von Georg Freidrich Brander (1737 in Augsburg) und Johann Christian Breithaupt (1762 in Kassel) sowie die Grundung der mathemaishe Werkstatt durch Georg von Reichenbach. 

Unsere Sammlung geht im Kern auf die Aservatenlammer von Reichenbach und dem Ertelwerk, zurück, daher auch das Bemühen diesen Zweig Erfinder besonders zu würdigen.

 

In diesem Zusammenhang mächte ich auch die Veröffentlichung "Meilensteine im Instrumentenbau" von Erich Weiss hinweisen, die der Förderkreis "Vermessungstechnisches Museum Dortmund e.V. herausgegeben hat, wo auch wir Mitglied sind. Infomationen aus diesem Büchlein haben sehr geholfen, Fakten über die "Macher" des Gerätebaues zu recherchieren. Wer noch tiefer gehen möchte, dem lege ich diese Veröffentlichung ans Herz (im Museum einsehbar).

 

Mit der Integration der Casparysammlung ins Geomuseum konnten wir auch weitere Literatur über die großen Erfinder und Firmengründer in unsere Ausstellung bekommen. Wir beschränken uns aber auf eine kurze Vorstellung und bieten die entsprechenden Dokumente zum lesen und auch bald zum "Download" an.

Georg Friedrich Brander (geb. Nov. 1713 Tag nicht genau belegt) in Regensburg geboren. Er absolviete eine Lehre als Kaufmann, aber schon früh zeigt sich sein Interesse an handwerklich, mechanischen Arbeiten. 1734 übersiedelte er nach Augsburg, das damals  geschäftlich attraktiver als München war. Das genaue Datum seiner Selbstständigkeit ist nicht genau bekannt, aber 1779 gelang Ihm der Bau des ersten Spiegelteleskops und er legte den Grundstein für den erfolgreichsten deutschen Instrumentenbauer der damligen Zeit.  weltweit aus.

Er baute Kreisteilungsmaschinen, Nivelliere und Theodlite. Branders Einflusss, vor allem im süddeutsche Raum war sehr groß und er lieferte seine Geräte.

 

Besondere Berühmtheit erreichte sein Distanzmessgerät.

 

Dieses Glasmikrometer wurde z.B. wie die odernen Fadenkreuze in den Strahlengang des Fernrohrs eingebaut. Mit Hilfe einer quergespannten Messkette war es dann möglich die Entfernung zum Ziel zu messen.

mehr zu G.F. Brander

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oder in "Meilensteine des Instrumentenbaues"

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Georg Friedrich Reichenbach,

 

ab 1813 von Reichenbach (* 24. August 1771 in Durlach; † 21. Mai 1826 in München) war ein bayerischer Erfinder und Ingenieur. Mit dem Unternehmer Josef von Utzschneider und dem Feinmechaniker Joseph Liebherr gründete er 1804 eine optisch-mechanische Werkstätte, welche jahrzehntelang die besten Theodolite und astronomischen Fernrohre produzierte. Reichenbach war der Sohn eines Schlossers, er machte seine Lehre in Mannheim und durfte mit kurfürstlicher Förderung nach England reisen. Nach seiner Rückkehr nach München 1796 beschwerte sich Reichenbach "fand ich dort keine einzige Anstalt zur Verfertigung mathematischer, inoch weniger astronomischer Instrumente vor, alles in diesem Betreffe wurde aus England oder der Werkstätte des Herrn Brnandes aus Augsburg bezogen. Er konstruierte Maschinen für eine Gewehrfabrik. 1802 baute er in München eine Kreisteilungsmaschine und entwickelte 1809 zusammen mit Joseph von Fraunhofer optische Präzisionsinstrumente.

 

Reichenbach entwickelte zahlreiche technische und Messinstrumente, u. a. eine Metallhobelmaschine, genaue Distanzfäden für Theodolite und den Reichenbach-Distanzmesser mit genauem Höhenkreis.Bald musste die Werkstätte erweitert werden und er gründete am 20 August 1804 zusammen mit Utzschneider und Liebherr das "Mathematisch-mechanische Institut von Reichenbach, Utzschneider und Liebherr". Mit der Hinzunahme des Optikers Joseph von Frauenhofer erreichte die optische Qualität ein nie gekanntes Niveau und erreichte Bekanntheit weit über Deutschland hinaus.

Reichenbach gilt nicht nur als Mitbegründer der bayerischen Optomechanischen Industrie, sondern auch als Wegbereiter der Dampfmaschine in Bayern. 1810 wurde unter seiner Leitung die Soleleitung von Bad Reichenhall nach Traunstein technisch überarbeitet und bis nach Rosenheim verlängert. Sie war bis 1958 in Betrieb und ist in Teilen heute noch (inaktiv) vorhanden. 1804 entwickelte er und 1817 baute die 25 km lange erste Soleleitung von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall. Um die 356 m Steigung zu überwinden, setzte er eine 1810 von ihm entwickelte Wassersäulenmaschine ein, um die Sole mit Wasserkraft zu pumpen. Dafür wurde er vom Bayerischen König Max I. Joseph in den Adelsstand erhoben. Nach dem gleichen Prinzip entwickelte er auch Maschinen, die Wasser in Wassertürme förderten, von denen das Trinkwasser anfangs durch Holzleitungen, später durch Eisenrohre im Versorgungsgebiet verteilt wurde. 

auch dazu finden Sie mehr in Wkipedia, in den "Meilensteinen des Instrumentbaues und in der nachfolgenden Beschreibung.

Traugott Ertel geb. 1778 bei Freiberg in Sachsen

Der junge Traugott Ertel, ausgebildet zunächst als Schmied, erlernte das Handwerk des Feinmechanikers und Instrumentenbauers. Im Jahr 1804 trat er als Meister in die zwei Jahre zuvor von Georg von Reichenbach im Münchner Westend gegründete „Mathematische Werkstatt“ ein. Mit 5 anderen Kollegen wird er 1808 erstmals als Meister erwähnt. 1812 verlies Liebherr die Firma und Ertel wurde Oberwerkmeister. Von Reichenbach entwickelte und fertigte hier zusammen mit seinen Partnern Joseph Liebherr und Joseph von Utzschneider astronomische und geodätische Instrumente. Zeitweilig war auch Joseph von Fraunhofer ein Mitarbeiter des Unternehmens. Im Jahre 1804 wurde das Unternehmen in „Mathematisch mechanisches Institut“ umbenannt.

Reichenbach und Utzschneider übernahmen Aufgaben außerhalb der Firma damit änderte sich auch die Organisationsstruktur der Firma. Utzscnmeider war verantwortlich für den Betrieb der Salinen in Reichenhall und und Reichenbach für den Bau der Soleleitung. 

Utzschneider überleis 1814 das Institut welches dann in das mathematisch-mechanische Institut Reichenbach &Ertel" überführt wurde. 1815 wurde Ertel Teilhaber und war verantwortlich für die mechanische Fertigung. Es wurden ihm von diesem am 16. Mai 1821 alle Anteile und somit das komplette Unternehmen übertragen. Eine Grundungsurkunde ist als Kopie im Museum ausgestellt. Ertel richtete es strategisch neu aus und fokussierte die Produktion auf hochwertige Vermessungsinstrumente wie Theodolite und Meridiankreise. Im Jahr 1834 benannte er die Firma in „T. Ertel & Sohn“ um Traugott Leberecht von Ertel starb 1858 hoch angesehen und vielfach ausgezeichnet. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Südfriedhof in München. Seinem Sohn Georg hinterließ er ein renommiertes Unternehmen mit etwa hundert Mitarbeitern. 1890 kaufte August Diez sämtliche Anteile am Unternehmen auf, das als Ertel-Werk für Feinmechanik am ♁ursprünglichen Ort (nordwestlich der Ecke Westendstraße und Barthstraße) bis 1944 bestand, bis es nach einem Bombenangriff am 25. April 1944 völlig ausbrannte.[5] Das Werk fand nach dem Krieg vorübergehend einen neuen Standort in der Münchner Kuglmüllerstraße, bevor es am 1. Juni 1957 von München nach Puchheim verlegt wurde, wo es bis zur Insolvenz 1984 bestand.

 

 

Joseph Utzschneider, ab 1808 von Utzschneider, (* 2. März 1763 in Rieden am Staffelsee; † 31. Januar 1840 in München) war ein für die Entwicklung Bayerns zu Beginn des 19. Jahrhunderts äußerst einflussreicher Techniker und Unternehmer.

Er überlies 1814 Reichenbach das mechanische Institut. Außerdem wirkte er mit bei der "unmittelbaren Steuerkataster-Kommision"  und gründete eine Lederfabrik, ein Brauhaus ein Tuchmaufaktur, eine Essigfabrik und ein Zuckerfabrik auf der Grundlage von Zuckerrübern. Er war ein Universalunternehmer und war auch für die Ausbildung an der polytechnischen Centralschule veantwortlich. 

Als hoher bayerischer Staatsbeamter war er auch Salinenadministrator in Berchtesgaden.  Als Vorstand der Vorgängerinstitution der Technischen Universität München hatte er an deren Ausbau maßgeblichen Anteil. Auch das bayerische Grundstückskataster geht auf ihn zurück.
Von 1818 bis 1823 war er Bürgermeister von München und nach der Verfassungsgebung von 1818 Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Für seine Verdienste wurde der Sohn eines Bauern 1808 geadelt. Nach der Matura 1778 am (heutigen) Wilhelmsgymnasium München[1] studierte Utzschneider in München und Ingolstadt und wurde 1784 bayerischer Hofkammerrat. Danach wurde er Administrator der bayerischen Salinen in der Fürstpropstei Berchtesgaden und 1799 Geheimer Referendar für landständische Angelegenheiten im Finanzdepartement. Seine Verbesserungspläne missfielen allerdings einem großen Teil der Stände, sodass Utzschneider 1801 (mit nur 38 Jahren) unter der grundlosen Beschuldigung, er stehe an der Spitze der Umsturzpartei, zur Disposition gestellt wurde.
Er erichtete 1804 zusammen mit Georg Friedrich von Reichenbach und Joseph Liebherr (1767–1840) auch das Mathematisch-Feinmechanische Institut, welchem die von ihm zu Benediktbeuern angelegte Kunstglashütte das nötige Kron- und Flintglas lieferte. Aus letzterem entstand, nachdem er 1809 den jungen Josef von Fraunhofer in seinem Institut beschäftigte, das weltberühmte Optische Institut, welches fast ganz Europa mit Teleskopen und anderen Instrumenten belieferte.
Inzwischen war Utzschneider 1807 wieder als Generalsalinenadministrator und Geheimer Finanzreferendar in den Staatsdienst getreten. Unter seiner Leitung wurde der Bau der Saline zu Rosenheim mit der Solenleitung von Reichenhall dahin ausgeführt, und durch seinen Einfluss ging 1809 außer der Saline Berchtesgaden auch die zu Hallein in bayerische Administration über. Ebenso wurde unter seiner Leitung in Bayern der Grund zu dem Parzellenkataster gelegt. 1811 wurde er Vorstand der Staatsschulden-Tilgungsanstalt, verließ aber 1814 wieder den Staatsdienst und errichtete eine Brauerei im Gebäude des heutigen Café Luitpold[2] und eine Tuchmanufaktur. Von 1818 bis 1823 war er Zweiter Bürgermeister von München. 1818 wurde er zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. 1835 wurde er Vorstand der 1827 errichteten Münchner polytechnischen Zentralschule, aus der Ende des 19. Jahrhunderts die Technische Hochschule München hervorgehen sollte.
Joseph von Utzschneider starb am 31. Januar 1840 in München an den Folgen eines Kutschenunfalls am Giesinger Berg.

Joseph Fraunhofer wurde als elftes Kind eines Glasermeisters 1787 in Straubing geboren. Da seine Eltern starben, als er erst elf Jahre alt war, wurde er von seinem Vormund in die sechsjährige Spiegelschleiferlehre nach München gegeben. Dort überlebte er 1801 den Einsturz des Hauses seines Lehrherrn. Bei seiner Rettung war Kurfürst Maximilian IV. anwesend, der von dem glücklichen Ausgang beeindruckt war und Joseph Fraunhofer 18 Dukaten schenkte. Mit diesem Geld erwarb Fraunhofer eine Glasschneidemaschine und kaufte sich von den restlichen Lehrmonaten frei. Auch der Geheime Rat und Unternehmer Joseph von Utzschneider hatte die Rettung beobachtet und nahm sich des Jungen an. Er ermöglichte Fraunhofer den Besuch der Sonntagsschule und verschaffte ihm Zugang zu mathematischer und optischer Fachliteratur. Nach seiner Lehre trat Fraunhofer 1806 als Optiker ins Mathematisch-Feinmechanische Institut von Reichenbach, Utzschneider und Liebherr ein. Dieses Institut war 1802 vom Erfinder Georg Friedrich von Reichenbach und dem Uhrmacher Joseph Liebherr zur Herstellung von astronomischen und geodätischen Instrumenten gegründet worden, Utzschneider hatte sich als Geldgeber angeschlossen.
Fraunhofer-Glashütte, jetzt Museum, in Benediktbeuern. Die optische Werkstätte wurde 1807 nach Benediktbeuern verlegt, wo Fraunhofer zunächst unter dem Schweizer Optiker Pierre-Louis Guinand arbeitete und 1811 Betriebsleiter wurde. Dort entwickelte er neue Schleifmaschinen und Glassorten für optische Gläser (schlierenfreies Flintglas), die die Abbildungsqualität von Linsen entscheidend verbesserten. Ab 1814 waren Fraunhofer und Utzschneider alleinige Teilhaber des nunmehr selbständigen Optischen Instituts. Für die Astronomie bedeutsam ist in diesem Zusammenhang Fraunhofers Verbesserung des 1729 in England erfundenen achromatischen Linsenpaares. Anstatt die zwei Linsen durch Verkittung zusammenzufügen, setzte Fraunhofer sie mit einem Luftspalt hintereinander. Dies brachte zusätzliche Freiheitsgrade zur Korrektur von optischen Abbildungsfehlern. Entsprechende Fraunhofer-Achromaten werden auch heute noch in der Amateurastronomie verwendet.

Gemälde Rudolf Wimmers von 1897: Fraunhofer (Mitte) demonstriert das Spektroskop. Links Joseph von Utzschneider, rechts Georg Friedrich von Reichenbach. Das Gemälde ist als Replica aus der Reichenbachschen Aservatenkammer im Museum zu sehen.
 

Zwölf Jahre nach William Hyde Wollaston entdeckte Fraunhofer 1814 die nach ihm benannten Fraunhofer'schen Linien im Sonnenspektrum. Er erfand 1814 das Spektroskop. Außerdem führte er als erster Experimente zur Beugung von Licht an optischen Gittern durch (Fraunhofer'sche Beugung). Seine Erkenntnisse auf diesen Gebieten nutzte Fraunhofer, um die Materialeigenschaften (Brechungsindex) optischer Gläser mit einer wesentlich gesteigerten Genauigkeit zu messen. Mit diesem Wissen gelang es ihm, bessere Objektive zu fertigen, als es bis dahin möglich gewesen war.
Fraunhofers Refraktor für die Sternwarte Dorpat (Tartun.Im Optischen Institut wurden von Fraunhofer auch komplette Fernrohre hergestellt, die auch eine Aufstellung (Montierung) umfassten. Seit Fraunhofer gibt es einen Montierungstyp, der als deutsche Montierung bekannt wurde. Bis heute wird der größte Teil kleiner und mittlerer Fernrohre und Teleskope auf einer deutschen Montierung aufgestellt. Im Jahr 1824 vollendete Fraunhofer den Bau seines größten Fernrohres für die russische Sternwarte Dorpat (heute Tartu, Estland). Mit diesem Fernrohr mit einer für die damalige Zeit sensationellen Öffnung von 24,4 cm und einer Brennweite von 4,33 m untersuchte der Astronom Friedrich Georg Wilhelm Struve vor allem Doppelsterne. Ein zweites, baugleiches Exemplar erhielt 1829, nach dem Tod von Fraunhofer, die Berliner Sternwarte, mit dem 1846 von Johann Gottfried Galle der Neptun entdeckt wurde. Auch die Vollendung seines Heliometers für die Königsberger Sternwarte hat Fraunhofer nicht mehr erlebt.
1819 wurde das Optische Institut nach München verlegt, weil Utzschneider aus Geldnot den Benediktbeurer Gebäudekomplex an Bayern verkaufte und nur die Glashütte behielt. Fraunhofer musste regelmäßig nach Benediktbeuern fahren, um die Glasschmelzen zu überwachen. Andererseits war von München aus ein besserer Kontakt zu einigen Kunden und zur Akademie möglich, die ihn nach einigen Querelen wegen seiner fehlenden wissenschaftlichen Ausbildung 1821 als außerordentliches Mitglied aufnahm. In mehreren Abhandlungen und Akademiereden behandelte er nun physikalische Probleme wie das Mattwerden des Glases und verschiedene Lichtphänomene. 1823 wurde er volles Mitglied und Professor des physikalisc
hen Kabinetts.

Otto Fennel - 1826 - 1891 Kassel

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Otto Fennel hat bei Breithaupt gelernt und sich dann 1762 selbstständig gemacht. Adolf Fennel, der ältere Sohn des Feinmechanikers Otto Fennel (1826–1891), besuchte zunächst die Höhere Gewerbeschule Kassel, ein Polytechnikum. Eigentlich hätte er es vorgezogen, Naturwissenschaften zu studieren, musste jedoch 1877 in die am 23. Juni 1851 von seinem Vater gegründete Firma für optische Instrumente[1] eintreten und erhielt dort eine Ausbildung zum Feinmechaniker. 1891 übernahm er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Otto die Leitung des Betriebes, den er unter dem Namen „Otto Fennel Söhne“ zu einem Unternehmen von Weltgeltung führte.
Fennel’scher Schätzmikroskop-Theodolit (1903 Adolf Fennel zählt zu den bedeutendsten Konstrukteuren von Vermessungsinstrumenten. Seine besondere Aufmerksamkeit galt der Genauigkeitssteigerung von Kreisablesungen, der Herstellung von Kreisteilmaschinen und den Instrumenten zur optischen Entfernungsmessung für kartographische Zwecke. Der Umfang seines technischen Schaffens wird durch etwa 50 Veröffentlichungen und 12 Patente gekennzeichnet. Adolf Fennel hatte sich stets das Interesse für Naturwissenschaften bewahrt, und schon bevor er 1891 die Leitung der väterlichen Firma übernahm, pflegte er einen intensiven Erfahrungsaustausch mit Wissenschaftlern in verschiedenen Ländern. Damit wurde der Grundstock für zahlreiche Neuentwicklungen gelegt. So arbeitete er zum Beispiel ab 1900 im Auftrag von Carl Reinhertz, seit 1899 Professor für Geodäsie an der Technischen Hochschule Hannover, an einem Schätzmikroskop-Theodoliten, bei dem sich in der Bildebene des Mikroskops ein Indexfaden zur Kreisablesung befand. Da im Gesichtsfeld stets zwei Gradzahlen sichtbar waren, konnte die Ablesung rasch und sicher erfolgen, und aufgrund der hinreichenden Größe des Bildes konnte die Schätzung bis auf 1´ genau erfolgen. 1902 war dieser Theodolit soweit vervollkommnet, dass er in den Handel kam.[3][4] Beim Nonienmikroskop (1912) liegt, aufbauend auf einer Idee des Optik-Unternehmers Moritz Hensoldt aus Wetzlar, ein Nonius in der Mikroskopbildebene und ermöglicht eine weitere Steigerung der Ablesegenauigkeit. Den Abschluss bildete das Feinmeß- oder Planglasmikroskop (1930), bei dem im Strahlengang nahe dem Objektiv eine drehbare planparallele Glasplatte eingeführt ist, durch die das Bild der Teilung optisch parallel verschoben werden kann, so dass ein Teilstrich in die Mitte des Einstell-Doppelstrichs fällt. Die planparallele Platte verschiebt mit einem Arm eine unter dem oberen Teil des Bildfeldes befindliche Skala, an der die durch die Planplatte hervorgerufene Verschiebung der Teilung am Indexstrich sofort abgelesen werden kann, und zwar mit einer Genauigkeit von bis zu 2´´
Zur Steigerung der Teilgenauigkeit von Teilmaschinen ersann Fennel eine mechanische Kompensation, durch welche die periodischen Fehler der Verzahnung der Mutterteilung unschädlich gemacht werden. Das „Wagner-Fennel-Tachymeter“ (1882), eine verbesserte Version des von Ing. Karl Wagner 1868 erstmals zur Ausführung gebrachten Tachygraphometers, ermöglicht die Ablesungen von Horizontalentfernungen und Höhenunterschieden aus geneigten Beobachtungen mit Hilfe einer mechanischen Reduktion. Das „Hammer-Fennel Reduktionstachymeter“, an dessen Grundlagen Ernst von Hammer, Professor für Geodäsie an der Technischen Hochschule Stuttgart, seit 1893 gearbeitet hatte, benutzt für die Ermittlung dieser Werte ein Diagramm. Die Kurven dieses Diagramms liegen den Konstruktionen der Diagrammtachymeter aller Hersteller zugrunde und begründeten 1898 die Entwicklung dieses Instrumententyps, der sich durch besondere Wirtschaftlichkeit bei hoher Genauigkeit auszeichnet. Ein Keildistanzmesser wurde als „Doppelbild-Entfernungsmesser“ 1928 patentiert. Aus der Reihe magnetischer Instrumente ist ein Orientierungs-Magnetometer erwähnenswert (1893), das die Einstellung von Instrumenten auf Magnet-Nord mit großer Genauigkeit gestattet.

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Zeissgeräte und Entwicklung im Überblick

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Herrmann Robert Reiss

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Schriftwechsel Caspary-Herr Hess, Nachfahre Gebr. Wichmann

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J. Kern 1790 - 1867

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